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Nach Überfall wächst die Angst

Der Überfall auf das Nazi-Geschäft in der Doberaner Straße stößt in der Nachbarschaft auf Kritik. Manche fürchten, dass die Gewalt jetzt noch weitergehen könnte.

18.01.2008

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Im Neonazi-Laden "East Coast Corner" liegen die Geschäfte brach. Die Fenster sind mit Rollläden verrammelt. Ein Mann mit Wollmütze und Ringelpulli huscht aus der Eingangstür nebenan und klebt Zettel an die verdeckten Schaufenster. Von versuchtem Totschlag ist darauf die Rede, von "linkem Terror" und "Rotfront". Nein, er wisse nicht, ob der Laden wieder öffnen wird, antwortet der Zettelkleber knapp. Dann sagt er, "ist keiner da", und zieht schnell die Tür hinter sich zu. Der NPD-Landtagsabgeordnete und Neonazi-Kameradschaftler Birger Lüssow hat hier sein Büro, als Untermieter von "East Coast Corner".

In der Nachbarschaft ist der Überfall von fünf Vermummten, mutmaßlich Linken, auf das rechte Ladenlokal von Dienstagabend Thema Nummer eins. Leute bleiben stehen und lesen die rechten Aushänge. Ein junger Mann geht vorbei, spuckt geräuschvoll auf den Boden - seine Art des Protests.

"Der Laden muss weg", sagt Jutta Steinberg (62), die lange in der Nähe wohnte. Den gewalttätigen Anschlag verurteilt sie. "Es muss andere Wege geben", sagt sie. Die ganze Gesellschaft sei gefordert, nicht nur Politiker. "Alle müssen etwas unternehmen." Im Ladenlokal arbeiteten gestern noch Kriminaltechniker. "Die Beweissicherung dauert noch an", teilt Polizeisprecherin Katrin Drewelow auf Nachfrage mit. Die Angreifer haben Räume und Waren mit Buttersäure besprüht. Der ranzige Geruch ist noch auf der Straße gut wahrnehmbar.

East-Coast-Geschäftsführer Thorsten de Vries ist offenbar abgetaucht. In einem rechten Internet-Forum schildert ein Nutzer, der sich als de Vries vorstellt, Einzelheiten des Überfalls und nimmt Genesungswünsche seiner Gesinnungsgenossen entgegen. Er habe durch Schläge mit einem Totschläger zwei Platzwunden am Kopf erlitten. Zugleich verteidigt er sich gegen Kritik von rechts, die "nationale Sache" für sein Geschäft zu missbrauchen: "Überall im Laden liegt nationales Material, vom HDJ (Anmerkung: "Heimattreue Deutsche Jugend") bis zur NPD, aus." Gegenüber der OZ behauptete de Vries kurz nach der Eröffnung, lediglich ein Geschäft für "Szenekleidung" zu betreiben. Der Rostocker Landtagsabgeordnete Wolfgang Methling (Linke) hält Racheakte gegen Linke für möglich. Andererseits wäre rechte Gewalt "schlecht fürs Image der NPD", so Methling, "vielleicht halten sie deswegen still". Die Ortsbeiratsvorsitzende Anette Niemeyer (Bündnis 90) macht sich jetzt Sorgen um die Anwohner in der achbarschaft: "Gewalt zieht neue Gewalt an." GKW

Ostseezeitung-Rostock

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Klassismus - Eine Form der Diskriminierung
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