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Vermummte überfielen Naziladen mit Buttersäure
Unbekannte haben gestern Abend den umstrittenen Naziladen "East Coast Corner" (ECC) überfallen. Sie versprühten Buttersäure und schlugen den Geschäftsführer nieder.
16.01.2008
Kröpeliner-Tor-Vorstadt . Ein unangenehmer Säuregeruch strömt aus dem Haus in der Doberaner Straße. Feuerwehrleute mit Atemschutzmasken durchsuchen das Geschäft nach gefährlichen Flüssigkeiten. Unbekannte haben gestern Abend das umstrittene Geschäft der rechten Szene, das "East Coast Corner" (ECC) überfallen.
"Gegen 19.20 Uhr versammelten sich vor dem Geschäft etwa zehn Personen", berichtete Polizeisprecher Volker Werner. Fünf von ihnen drangen vermummt in den Laden ein und begannen sofort mit der Verwüstung, rissen die Ware aus den Regalen, versprühten Farbe und eine andere Flüssigkeit. Dabei handelte es sich nach Aussage eines Mitarbeiters des NPD-Büros im Haus um Buttersäure.
Laut Polizei schlugen die Vermummten zudem auf zwei Mitarbeiter, eine Frau und einen Mann, ein. Dabei soll es sich nach OZ-Informationen um den ECC-Geschäftsführer Thorsten de Vries handeln, der mit Verletzungen in einem Klinikum behandelt werden musste. "Der eigentliche Überfall dauerte nicht mehr als eine Minute", rekonstruierte die Polizei nach ersten Befragungen von Augenzeugen.
Hinweise auf die Täter, die nach dem Überfall in verschiedene Richtungen flüchteten, gibt es derzeit noch nicht. Bekleidet waren sie mit dunklen Kapuzenjacken und Motorradhauben. Weitere Aufschlüsse über den Hergang des Überfalls erhofft sich die Polizei von den Bildern einer Überwachungskamera, die bereits vor einigen Monaten auf dem Dach eines benachbarten Hauses montiert wurde.
Seit der Eröffnung des "ECC" am 22. Juni 2007 durch bekannte Mitglieder der rechten Szene hatte es immer wieder Proteste gegen dieses Geschäft in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt gegeben. In der Nacht zum 24. Juni lieferten sich Gegner des rechten Ladens eine regelrechte Straßenschlacht mit der Polizei. Bisher haben alle Proteste nicht bewirken können, das Geschäft aus der KTV zu vertreiben. Seit Monaten bemüht sich auch das breite Bündnis "Schöner Leben ohne Naziläden" mit bunten und friedlichen Aktionen die Schließung des "ECC" zu erreichen. Am 22. September 2007 zogen beispielsweise nahezu 2000 Menschen durch die Innenstadt, um ihren Protest gegen die Aktivitäten der Rechten in der KTV zu zeigen. THOMAS NIEBUHR
Ostseezeitung
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