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Leiche im Schlafzimmer - Angeklagte brechen Schweigen

07.11.2007

SCHWERIN - Vier Monate lang kam der Prozess um einen mysteriösen Todesfall in Wismar nur mühsam voran. Jetzt haben zwei der fünf Angeklagten, die der rechten Szene zugerechnet werden, vor dem Schweriner Landgericht ihr Schweigen gebrochen. Vater und Sohn, 18 und 37 Jahre alt. Sie räumten nicht nur eine eigene Tatbeteiligung ein, sondern belasteten auch Mitangeklagte.

Zur Erinnerung: Am 2. Januar 2007 tauchte ein Mann aus Wismar mit seinem Anwalt bei der Polizei auf. Er habe in seinem Schlafzimmer eine Leiche gefunden. Die Ermittler stellten rasch fest, dass es sich nicht um einen natürlichen Tod handelt. Blutspuren und ein übel zugerichtetes Opfer - der Tote war offensichtlich in der Wohnung misshandelt und erstochen worden.

"Der ist kalt. Ich habe ihn abgestochen."

Eine Woche später wurden fünf Männer festgenommen, die nun auf der Anklagebank sitzen. Darunter auch der 27-jährige Wohnungsmieter. Sie sind laut Staatsanwalt für "Totschlag" verantwortlich, begangen während eines Trinkgelages am Neujahrstag.

Das Opfer war bald identifiziert: Ein 30-jähriger Vater eines Sohnes. Das Kind ist nun Nebenkläger. Seine Mutter nimmt für den Minderjährigen an der Verhandlung teil.

Die Frau beschrieb ihren Lebensgefährten als Mann, der zu viel Alkohol trank und Probleme hatte, den Alltag zu bewältigen. Er traf an jenem unheilvollen Neujahrstag erstmals auf die Männer. Er hatte einen Getränkehändler begleitet, der Nachschub in die Wohnung lieferte und war gleich dort geblieben. Einen Tag später wurde er mit dem Leichenwagen abtransportiert.

Der mit 37 Jahren älteste Angeklagte gab nun Auskunft darüber, was sich aus seiner Sicht ereignet hatte. Zwar blieb er gestern vor Gericht wieder stumm, doch übergaben seine Verteidiger Carsten Düwel und Matthias Macht dem Gericht einen Tonbandmitschnitt. Sie hatten das Gespräch in der Vorwoche in der Haftanstalt geführt und aufgezeichnet. Fragen an ihren Mandanten ließen sie nicht zu.

Der 37-Jährige spricht von Unmengen Alkohol, die gemeinsam vertilgt wurden. Und von einem Wortgefecht, das sein Sohn mit dem Neuankömmling begann. Das dann in ein Gerangel überging, in das sich auch die anderen einmischten und das offenbar immer brutaler wurde. Er selbst habe zweimal mit der Hand und einmal mit der Faust zugeschlagen. Fußtritte und heftige Schläge auf den Mann, der schon blutend am Boden lag, schreibt er unter anderem dem 24- und dem 26-Jährigen zu, beide damals Mitarbeiter in einem Laden für rechte Kultartikel. Sein Sohn sei irgendwann gegangen. "Ich schlief ein. Da war der Geschädigte noch lebendig", ist vom Band zu hören. Als er aufwachte, war der "Geschädigte" tot - und alle verschwunden, bis auf den Wohnungsmieter. Der habe ihm, nun ernüchtert, gestanden: "Der ist kalt. Ich habe ihn abgestochen". Der 37-Jährige reagierte auf eigene Art: "Da habe ich gleich noch mal eine halbe Flasche gesoffen und mich wieder hingelegt."

Wohnungsmieter schwer belastetSein Sohn hatte vor Gericht eine ähnliche Version von dem Tatgeschehen gegeben und ebenfalls den Wohnungsmieter schwer belastet. Der Jüngste ist inzwischen als Einziger aus der Untersuchungshaft entlassen.

Die Vertreter der Staatsanwaltschaft gaben zu bedenken, dass statt "Totschlag" auch "Mord" aus niederen Beweggründen infrage kommen könnte. Für die Angeklagten steht viel auf dem Spiel. Geständnisse mildern meist das Strafmaß. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Horst Heydorn rechnet damit, dass nun weitere Aussagen folgen werden. Bislang sind Termine bis Jahresende geplant.

Schweriner Volkszeitung

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