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Rechte Kaderschmiede? Anklam macht mobil

05.11.2007

ANKLAM - Verlassen und verrammelt steht die ehemalige Kaufhalle nahe Anklams Innenstadt. Die breite Fensterfront ist mit Spanholzplatten vernagelt. "Die wollen nicht, dass man sieht, was dahinter passiert", mutmaßt Anklams Bürgermeister Michael Galander (parteilos). "Die" - das sind die Mitglieder der rechtsextremen NPD.

Bei einer Zwangsversteigerung hatten Alexander Wendt und Enrico Hamisch, beide Wahlkreismitarbeiter von NPD-Landtagsabgeordneten, das Gebäude erworben und der Inhaberin des dort ansässigen Möbelgeschäftes gekündigt.

Rechtsextremismus-Experten zweifeln nicht daran, dass die NPD hier ein Schulungszentrum plant und dies als Veranstaltungsort etwa für Rechtsrock-Konzerte nutzen könnte, was die Partei indes bestreitet. "Es ist ein übliches Vorgehen der NPD, dort verstärkt Präsenz zu zeigen, wo sie prinzipiell mit einer Offenheit gegenüber ihren Argumenten rechnen kann", sagt Christian Sell, Leiter des in Anklam neu gegründeten Regionalzentrums der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA).

Dass die Partei zumindest teilweise auf Zustimmung trifft, belegen Statistiken: So wählte ein Fünftel der Anklamer bei den Landtagswahlen 2006 die NPD.

Erwünscht sind "die" in Anklam von den meisten Menschen aber nicht. "Nazis raus" haben Unbekannte auf die Spanholzplatten vor der Kaufhalle und auf Häuserwände gesprüht. "Das ist nicht die Form des Protestes, die wir uns gewünscht haben", sagt der Bürgermeister. Aber auch für die Politik sei die Zeit "der vornehmen Zurückhaltung, was das Vorgehen der NPD anbelangt", vorbei, betont Galander. In einer gemeinsamen Erklärung hatten die Fraktionen gleich nach Bekanntwerden des Verkaufes die Aktivitäten der NPD scharf verurteilt. 20 000-fach wurde die Erklärung gedruckt und an alle Haushalte verteilt.

Schweriner Volkszeitung

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