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Heiße Spur zu Kirchen-Schändern
24.07.2010
von Frank Pubantz
STERNBERG - Der Anschlag auf die Sternberger Kirche vor fünf Monaten, der landesweit für Empörung sorgte, steht vor der Aufklärung. Polizei und Staatsanwaltschaft haben drei Männer im Visier, die nach dem Einbruch eine Hakenkreuzfahne am Kirchturm befestigt haben sollen.
Drei Männer aus Parchim, Wismar und dem Kreis Nordwestmecklenburg stehen im Verdacht, die Tat in der Nacht zum 28. Februar begangen zu haben, erklärt Oberstaatsanwalt Stephan Hagemann: "Im Rahmen von Hausdurchsuchungen wurden diverse Beweismittel sichergestellt. Diese werden gegenwärtig ausgewertet." Mehr könne er gegenwärtig nicht sagen, da Ermittlungen gefährdet würden.
Der Anschlag hatte Sternberg unter Schock gesetzt. Die Täter brachen durch eine Tür in die Sakristei ein und befestigten die 1,50 Meter mal 90 Zentimeter große Fahne außen an der Nordseite des Kirchenturms, von wo sie stundenlang weithin zu sehen war. Ein Anwohner informierte die Polizei, dann übernahm der Staatsschutz die Ermittlungen. In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten Bürgermeister, Stadtvertreter und Kirchgemeinde die Tat aufs Schärfste. Die Hakenkreuzfahne stehe "für eine Ideologie, die menschenverachtend ist und zum Tod von Millionen Menschen führte". Für Barbara Borchardt, Landtagsabgeordnete der Linkspartei, stand fest: Hier handele es sich um eine "gezielte Provokation" von Neonazis.
"Ich finde gut, dass man die Täter gestellt hat und zeitnah zur Verantwortung zieht", sagt Sternbergs Bürgermeister Jochen Quandt. Siegfried Rau, der derzeit die Sternberger Pastorin Eva Lagies vertritt, äußert "Hochachtung vor der Arbeit der Polizei".
Warum aber diese symbolträchtige Schändung einer Kirche? Eine Frage, die auch Karl-Matthias Siegert, Landessuperinent des Kirchenkreises Wismar, beschäftigt. "Waren es Einzeltäter oder waren sie eingebunden in organisierte Strukturen? Wir tappen völlig im Dunkeln." Dass "das Gebäude mit dieser Hakenkreuzfahne besudelt wurde", wirke bis heute in der Kirchgemeinde nach. Siegert hofft, dass die Täter die Chance zum Nachdenken nutzen, um vom rechten Gedankengut wegzukommen.
Laut Innenministerium gebe es in Sternberg keine verfestigten rechtsextremistischen Strukturen. "An dieser Einschätzung hält das Ministerium unverändert fest", so Sprecher Falk Jonischkies gestern. Bestehende Gruppen wie die "Sternberger Nazissen", junge Frauen und Männer, ordnet die Polizei dem "subkulturellen Rechtsextremismus" zu.
Schweriner Volkszeitung-Sternberg
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