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27.11.2003
Ein Vorwurf mit Folgen - Verein: Bützow als "rechte Hochburg" - Polizei: Unsinn

Bützow. Eine Kleinstadt wehrt sich gegen ihren schlechten Ruf. "Bützow als rechte Hochburg im Zentrum des Bundeslandes" - so steht es in einer aktuellen Pressemitteilung des Vereins "LOBBI e.V." aus Rostock. Der Verein setzt sich nach eigenen Aussagen für Menschen ein, die von rechter Gewalt betroffen sind. Unterstützt wird er vom Projekt "Civitas", einer Initiative des Bundesfamilien-Ministeriums.

Vertreter der Stadt Bützow, Polizei und Jugendarbeiter sind empört, ob der Botschaft, die der Verein weltweit im Internet und per Fax im Land verbreitet: "Rassistisch motivierte Attacken gehören in Bützow zum Alltag", lautet die Überschrift der Mitteilung. Aufhänger ist eine Straftat an einem türkischen Imbiss in Bützow in der Nacht zum 17. November. Wiederholt seien dort Scheiben eingeworfen worden, weist LOBBI hin und erinnert an frühere Anschläge in Bützow. LOBBI unterstellt: In Bützow sei "kaum jemand bereit oder in der Lage, ... den Umtrieben Einhalt zu gebieten". Starker Tobak.

Die Anschläge habe es in der Tat gegeben, erklärte Bützows Polizei-Chef Detlef Bork gestern. Nur weist er den Vorwurf, hier seien rechtsorientierte Täter mit einem politischen Hintergrund am Werk, zurück. Es fehlten schlicht Beweise. Hans-Detlef Henkel, Chef der Polizeiinspektion Güstrow, erklärt, "dass es weder in Bützow, noch im gesamten Landkreis Güstrow eine organisierte rechte Szene gibt". Weitere Behauptungen von LOBBI entbehrten "jeglicher objektiver Tatsachen", so Henkel.

Was stimmt nun? "Es gibt eine rechte Szene", berichtet ein Jugendarbeiter. Doch diese sei lange nicht mehr so gefährlich wie früher. Seit Jahren bemüht sich die Stadt Bützow über Jugendarbeit, das Problem zu bekämpfen.

Der Imbiss-Inhaber erklärte gestern gegenüber SVZ: Die genannten Anschuldigungen habe er so nicht authorisiert. "Ich habe mit den Bützowern keine Probleme." Die SVZ hat gestern auch bei LOBBI in Rostock nachgefragt. Eine Mitarbeiterin erklärte zunächst: Die Schlussfolgerungen "beziehen sich allein auf die Aussagen des Imbiss-Besitzers". Also: keine Basis mit Daten zu rechtsorientierten Straftaten z.B. der Polizei. Tim Bleis, Autor der Pressemitteilung, bleibt dabei: Es gebe viele Indizien, die darauf hinwiesen, dass es in Bützow eine starke rechte Szene gebe, sagt er. Als Beispiele nannte er die Schändung des Jüdischen Friedhofs und, dass Bützower bei einem illegalen Fackelmarsch in Rostock mitmarschiert seien.

Bützows Bürgermeister Lothar Stroppe macht das betroffen. "Der Verein kann doch nicht nur feststellen", so Stroppe. Er müsse auch beweisen. Der Bürgermeister geht in die Offensive: Er will Vertreter von LOBBI zum Gespräch einladen.

Frank Pubantz

Schweriner Volkszeitung-Bützow

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