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27.11.2003
Jüdisches Leben erstmals umfassend dargestellt - Wolfgang Brose gestaltet Ausstellung in Pasewalks Stadtmuseum


Von unserem Redaktionsmitglied Angela Stegemann

Pasewalk. "Jüdische Menschen kennenzulernen ist wichtig um Vorurteile abzubauen", ist Heinz Kallmann von der Jüdischen Gemeinde Berlin überzeugt. Deshalb auch war der Mann, der als Kind erleben musste wie ein Großteil seiner Familie, Verwandten und Freunde im Konzentrationslager umkam, nach Pasewalk gekommen. Dort nämlich hat der geschichtsinteressierte Pasewalker Wolfgang Brose (51) ein Stück Heimatgeschichte aufgearbeitet. Unter dem Motto "700 Jahre jüdisches Leben in Pasewalk" wird derzeit im Stadtmuseum eine Ausstellung gezeigt.

Exponate beigesteuert

Immerhin lebten um 1862 nach Stettin in Pasewalk die meisten Juden in Vorpommern. 284 sind ausgewiesen. Dass sie eine bedeutende Rolle im Pasewalker Geschäftsleben spielten wird anhand der vielen Schautafeln im Museum deutlich.

Bereichert wird die Ausstellung außerdem durch einige Exponate, die zum jüdischen Leben gehören: ein siebenarmiger Leuchter, ein Weinglas für Feiertage sowie eine Keramikschale mit Paradiesäpfeln. Kreisstädter, die teilweise heute noch Kontakt zu Familienangehörigen der einst in Pasewalk ansässigen jüdischen Familien haben, stellten diese Gegenstände zur Verfügung. Welche Leistung hinter dieser Ausstellung steckt, wird deutlich, wenn man weiß, dass es noch vor Jahren wenig Kenntnisse über jüdisches Leben in Pasewalk gab. Zu DDR-Zeiten wurde ein Anfang durch Egon Krüger gemacht, der die Interessengruppe Ortschronistik im Kulturbund leitete. Der Senior beschäftigt sich auch heute noch damit. Seine Kenntnisse flossen in die Ausstellung ein. Gegenüber den Nordkurier erinnerte Egon Krüger daran, dass sich die einstige jüdische Synagoge in Pasewalk in der Grabenstraße befand, der jüdische Friedhof in der Reichskristallnacht zerstört wurde. "Nach der Pogromnacht wohnten nur noch 16 Juden in Pasewalk", weiß Egon Krüger.

Kontakt zu Verwandten

Er selbst hält heute noch Kontakt zu in Großbritannien lebenden Familienmitgliedern der Familie Behrendt. Diese betrieb eine Eisengießerei und Landmaschinenfabrik. 1934 musste die Fabrik schließen. Die Behrendtschen Familienmitglieder kündigten an im nächsten Jahr Pasewalk besuchen zu wollen. Vielleicht sind dann noch die Schautafeln vorhanden und die Nachkommen der Behrendts können sich ein Bild vom Leben ihrer Vorfahren in Pasewalk machen. 2004 wird es ohnehin einen weiteren Höhepunkt in Pasewalk geben. Dann wäre die Synagoge 170 Jahre alt geworden. Schon jetzt steht fest, dass mit einem Festgottesdienst an dieses Jubiläum erinnert werden soll. Erste Absprachen gibt es bereits.

Nordkurier-Pasewalk

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